Los Angeles Auto Show: SUV boomen? Hier nicht

SUV boomen? Die heute startende Los Angeles Auto Show zeigt: Kalifornien widersetzt sich dem globalen Trend zum Geländewagen – auch gegen den Willen von Präsident Trump.

Wenn du es hier schaffst, dann schaffst du es überall: Der Spruch ist
zwar das inoffizielle Motto von New York – aber in Los Angeles passt er fast noch
besser. Zumindest auf den zehnspurigen Autobahnen, die durch die Metropole führen.
Denn was sich dort durchsetzt, das kommt später oft auch weltweit in Mode. In den vergangenen Jahren startete hier zum Beispiel der SUV seinen globalen Durchbruch – der aber ausgerechnet in Kalifornien nun vom E-Auto abgelöst werden könnte.

Denn die aktuellen Zulassungszahlen zeigen im US-Staat eindeutig
in Richtung Plug-in-Hybride und Elektroauto: Laut Zulassungsbehörde hat sich etwa die Zahl
neuer Plug-ins in einem Jahr verdoppelt, die der Elektroautos nimmt mit
dem Start von Chevrolet Bolt und Tesla Model 3 gerade Fahrt auf. Die USA sind ein SUV-Land – für Kalifornien aber gilt das nicht mehr. Auch deswegen wird der Bundesstaat von der Trump-Regierung, die große amerikanische Autos bevorzugt, misstrauisch betrachtet.

Auch der heute startenden Los Angeles Auto Show merkt man an, dass SUV entgegen dem sonstigen Trend nicht die große Rolle spielen. Zwar sind in den beiden Ausstellungshallen auch zahlreiche Geländewagen zu sehen; doch die Stars der Messe kommen aus klassischeren Segmenten – ganz
anders als zuletzt etwa bei der IAA in Frankfurt oder dem Autosalon in
Genf.

Zu den wichtigsten Premieren etwa zählt der Mercedes CLS, die
optisch dynamisierte Version der E-Klasse-Limousine. Die soll nicht nur
Geschäftsführer und Freiberufler mit Sinn für flottes Design ansprechen,
sondern ausgerechnet auch die Käufer, die einen SUV strikt ablehnen. Sie
finden in dem viertürigen Coupé eine stilistische Alternative zum
landläufigen Stufenheckmodell, ohne die typischen Crossover-Nachteile
bei Verbrauch und Image. 

Dass Mercedes seine wichtigste Winter-Neuheit ausgerechnet in
Kalifornien vorstellt, ist kein Zufall. Die USA und vor
allem deren Westküste zählten zu den wichtigsten Märkten für die
Vorgängermodelle. Und auch generell sind klassische Pkw hier beliebt:
Während in 33 US-Staaten der Pick-up der Ford-F-Serie die
Verkaufscharts anführt, zählt Kalifornien zu den wenigen Staaten, wo
mit dem Honda Civic noch eine Limousine der Bestseller ist. Der
Westküstenstaat schwimmt damit klar gegen den Trend: Auf dem
stagnierenden US-Markt können in diesem Jahr nur noch die Verkaufszahlen von SUV, Pick-up-Trucks
und Crossovern wachsen. Ihr Absatz wuchs in den ersten acht Monaten um
immerhin vier Prozent, die Limousinen-Verkäufe brachen parallel dazu jedoch
um zwölf Prozent ein.  

Auf der LA Auto Show geben sich die meisten Hersteller von dieser Entwicklung unbeeindruckt. Toyota, Honda und Nissan präsentieren vor allem ihre
Limousinen prominent, Mazda feiert sogar die Premiere des
gelifteten Madza6 vor Ort. Die deutschen Marken setzen ebenfalls auf
SUV-Kontrastprogramm. BMW zeigt den i8 Roadster, Mini seinen
Elektro-Kleinwagen, Porsche die GTS-Varianten der Sportwagen 718 Boxster
und Cayman. Und VW verzichtet komplett auf Neues und rückt stattdessen
die Elektroauto-Studien der I.D.-Familie noch einmal in den Fokus. 

Auch für Elektro-Fans ist Kalifornien einer der interessantesten Orte weltweit. Der Staat verweigert sich nicht nur dem SUV-Boom, sondern setzt
gleichzeitig konsequent wie keine US-Region auf das E-Auto: Knapp sieben
von 1.000 Fahrzeugen werden hier elektrisch angetrieben. Das klingt nicht viel – ist aber mehr als
doppelt so viel wie in jedem anderen Staat. Im mittleren Westen etwa
liegt die Elektro-Quote nirgends über 0,5 Autos je 1.000 Zulassungen. 

Der ökologisch geprägte Markt hat in Kalifornien Tradition. Schon seit
den Sechzigerahren ist der Staat amerikanische und weltweite Avantgarde,
was Verbrauchs- und Schadstoffgrenzwerte angeht. Wer einmal den Himmel
über LA gesehen hat, weiß auch warum. Vor allem wegen des immer noch
sichtbaren Smogs pocht die kalifornische Regierung auf ihr verbrieftes
Recht, eigene Verbrauchsgrenzwerte erlassen zu dürfen, ohne auf die
Zentralregierung in Washington angewiesen zu sein.

Seit dort Donald
Trump an den Reglern sitzt, führt das wieder regelmäßig zu Konflikten.
Der Präsident hat der Autoindustrie laschere Vorgaben versprochen, kann
gegen die kalifornische Strenge aber aktuell nicht viel unternehmen.
Ignorieren lässt sich der Staat am Pazifik aber auch nicht: Selbst ohne
den Rest der US zählt er, allein für sich genommen, zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt.
Einen solchen Markt und seine Vorlieben können weder Trump noch die US-Autoindustrie in
Detroit verprellen.