Sexistische Sprüche: Lassen Sie das!

Wie reagiert man auf eine sexistische Bemerkung von einem Kollegen? Schlagfertig, humorvoll, ernst? Wir haben ein paar Vorschläge gesammelt.

Vor einigen Wochen haben wir unsere Leserinnen gefragt, ob sie sich am Arbeitsplatz schon einmal unangebrachte Bemerkungen anhören mussten. Hunderte Frauen haben uns ihre Erfahrungen geschildert. Das Problem ist oft: Wie reagiert man auf einen sexistischen Kommentar? Was kann man in dem Moment antworten? Denn ausgerechnet dann fällt einem nichts ein. In vielen Situationen kann es richtig sein, nichts zu sagen und das ist auch völlig in Ordnung: es liegt nicht in der Verantwortung des Opfers, sich zu wehren. Oder man beschwert sich direkt bei einer höheren Instanz. Wenn Sie aber etwas entgegnen wollen, hätten wir hier ein paar Vorschläge. Sie stammen von Susanne Mayer, Redakteurin im Feuilleton der ZEIT, sie schreibt seit vielen Jahren unter anderem über Feminismus; Giulia Becker, auch bekannt als Schwester Ewald, arbeitet als Autorin beim Neo Magazin Royal; Stefanie Sargnagel, Autorin und Mitglied der feministischen Gruppe Burschenschaft Hysteria in Österreich; Laura Gehlhaar, die in ihrem Blog Frau Gehlhaar über ihr Leben als Rollstuhlfahrerin schreibt; Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, und Klaus Michael Alenfelder, der sich als Anwalt mit den Themen Arbeitsrecht, Diskriminierung und Mobbing beschäftigt.

Chef im Feedbackgespräch (24 Jahre, Unternehmensberaterin)

Laura Gehlhaar: Sie haben behindert vergessen. Wenn du nicht so jung, hübsch und BEHINDERT wärst …! 
Susanne Mayer: Kein Neid. Nicht jeder kann schön sein.

Ein Kollege, nachdem ich ihn gefragt habe, ob er an den PC will, den ich gerade benutzte (22 Jahre, Bundespolizei)

Stefanie Sargnagel: Mir persönlich ist das meinen Humor nicht wert. Wenn mir jemand mit so einem Spruch kommt, möchte ich einfach nur klipp und klar sagen können: Das ist respektlos. Ich finde solche Kommentare unangebracht und sehr unangenehm. Das ist sexuelle Belästigung. Was fällt Ihnen ein? Ich sehe überhaupt keinen Grund, kreativ oder witzig darauf zu reagieren, wenn ich es nicht witzig finde. Genau das gibt dem Gegenüber ja das Gefühl, es handle sich um eine Bagatelle, über die ein humorvoller Mensch mit einem flotten Spruch hinwegsehen kann.

Ein Kollege, als ich mich bückte, um eine Serviette aufzuheben (27 Jahre, Automobilbranche)

Giulia Becker: Wissen Sie, was mir gefällt? Wenn Sie sich morgen früh über Ihre Abmahnung wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz beugen.
Susanne Mayer: Das glaube ich gerne. Ihre Rückenprobleme verbieten ja vermutlich jede Bewegung?

Das sagte mein Chef, als ein Hausmeister, der sich die Heizung in meinem Büro bei einem Hamburger Strafrechtsanwalt anschauen sollte, bemerkte, dass ich es wohl gerne frisch im Büro hätte (ein Fenster stand auf Kipp). Mein Chef war ebenfalls im Raum. Auf seinen Kommentar hin lachten die beiden Männer gemeinschaftlich. (20 Jahre, Jurastudentin)

Klaus Michael Alenfelder: Wenn Frau Dreyer dagegen juristisch vorgehen möchte: Grundsätzlich handelt es sich hier um Geschlechtsdiskriminierung und möglicherweise sexuelle Belästigung. Leider wird es für sie schwer, den Vorgang zu beweisen. Vielleicht kann ihr der Hausmeister als Zeuge helfen. Frau Dreyer kann innerhalb von zwei Monaten Schadensersatz vom Arbeitgeber verlangen. Weigert sich der Arbeitgeber, muss sie innerhalb von drei Monaten nach Aufforderung Klage auf Schadensersatz erheben. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Schwere der Vorgänge (gesundheitliche/psychische Auswirkungen, Folgen für das Arbeitsverhältnis u. a.). Die Entschädigung soll abschreckend wirken gegenüber dem Arbeitgeber, daher ist auch die Finanzkraft des Unternehmens zu berücksichtigen.

Mein Vertragspartner im Telefonat (43 Jahre, selbstständig)

Giulia Becker: Wir sind hier ja auch nicht zwei Vierzehnjährige auf dem Schützenfest Iserlohn und haben eben im Bierzelt zu Despacito feucht rumgeknutscht. Wir sind Geschäftspartner. Ich nehme nicht an, dass du einen männlichen Kollegen “Engelchen” nennen würdest, also lass es gefälligst auch bei mir.
Susanne Mayer: Du Dummerchen. Wie kommst du darauf?

Ein männlicher Politiker im Vorraum einer Konferenz der Europäischen Kommission in Brüssel, ich war als Speakerin eingeladen.

Laura Gehlhaar: Tut mir leid. Keine Zeit. Ich stehe in fünf Minuten auf der Bühne, um Ihnen etwas zu erklären.  
Giulia Becker: Noch nicht mal vielleicht. Ich bin als Speakerin
hier und dass Sie davon ausgehen, dass ich als Frau ja wohl für das
Kaffeeeinschenken zuständig sein muss, lässt mich deutlich an Ihren
geistigen Qualifikationen für die Europäische Kommission zweifeln.

Ich arbeite als Tierärztin auf
einem Schlachthof. Als ich mit blutigen Stiefeln die Schlachthalle
verließ und auf einen Mitarbeiter traf, sagte er diesen Satz. (35 Jahre,
Tierärztin)

Susanne Mayer: Nicht so ausgelaufen jedenfalls wie Ihr Verstand!

Mein Vorgesetzter über meinen geplanten Vortrag vor einem politischen Ausschuss (30 Jahre, Projektmanagerin im öffentlichen Dienst)

Christine Lüders: Man muss sich erst einmal klarmachen: Das ist kein Kompliment, das ist kein Flirt, das ist respektlos und eine Grenzüberschreitung. Wer kann, sollte gleich dagegen halten und deutlich machen, dass das nicht geht. Wer erst einmal einfach fassungslos ist, kann das auch später tun. Ganz wichtig: Bei sexueller Belästigung, also jedem Verhalten mit sexuellem Bezug, das unerwünscht und würdeverletzend ist, hat der Arbeitgeber die Pflicht, seine Beschäftigten zu schützen.

Ein Politiker im Hintergrundgespräch (32 Jahre, Journalistin)

Susanne Mayer: Sehr gut. Das spricht dann ja für noch mehr Lippenstift, um Leute wie Sie auf Abstand zu halten.
Giulia Becker: Ohne Ihren widerlichen Sexismus gefallen Sie mir auch besser. Wann haben Sie eigentlich aufgehört, gute Politik zu machen und stattdessen angefangen, die Lippenstiftfarbe von Journalistinnen zu bewerten?

Ein Kollege, nachdem ich ihm gezeigt habe, wie man die Pumpe zusammenbaut (Metallbranche)

Giulia Becker: Für ein Arschloch hast du eh ganz schön viele Haare.
Laura Gehlhaar: Ich freue mich, deinen Horizont auf drei Meter erweitert zu haben.  
Susanne Mayer: Ja, Frauen können Technik. Männer schaffen es oft noch nicht mal, den Geschirrspüler zu befüllen.

Nachdem ich meinem Kollegen geschildert habe, dass ich anderer Meinung bin, hatte er diese Idee. (25 Jahre, Sozialpädagogin in einer Psychiatrie)

Klaus Michael Alenfelder: Hier erscheint ein Gespräch mit dem Vorgesetzten oder eine Beschwerde sinnvoll. Der Kollege soll solche Angriffe unterlassen. Eine Klage ist möglich, aber sie muss den Vorfall belegen können. Außerdem haftet der Arbeitgeber meistens nur, wenn er selbst oder Vorgesetzte andere belästigen. 
Laura Gehlhaar: Du musst mal die Fresse halten. Dann bist du netter.
Susanne Mayer: Wir sollten diese Empfehlung mal mit der Personalabteilung besprechen.

Mein Chef nachts um zwei Uhr im OP (28 Jahre, Ärztin)

Susanne Mayer: Anovulatorisch! Wirklich? Und haben Sie Erektionsprobleme?